Perfekte Timingstrategie

Simulating Luck – Timing-Strategien Teil 2

Wie bereits im vorherigen Beispiel beschrieben, ist es extrem schwierig den Markt auf lange Frist mit Timing-Strategien outzuperformen. Vor allem dann, wenn bei einem Verkaufssignal nur in eine Geldmarktveranlagung gewechselt wird bzw. wenn die Möglichkeit des Short-Sellings nicht gegeben ist.

Um dies nochmals zu verdeutlichen, werden 1000 verschiedene Pfade einer Veranlagungsstrategie simuliert, welche auf Tagesbasis in 52 Prozent der Fälle beim S&P 500 (seit 1980) richtig positioniert waren. Erwähnt werden sollte auch, dass während einem Verkaufssignal, die gesamte Position in Geldmarkt (mit einer Null-Verzinsung) investiert wurde, wobei keinerlei Transaktionskosten berücksichtigt werden!

Dies soll veranschaulichen, dass es trotz erhöhter Gewinnwahrscheinlichkeiten doch manchmal etwas Glück auch bedarf um langfristig besser als der Gesamtmarkt abzuschneiden. Des Weiteren wird auch gezeigt, dass längere Phasen Underperformance auftreten können, obwohl der Investor statistisch gesehen im Vorteil ist. Somit wird auch klar, warum es einen sehr langen Atem benötigt um mit einer reinen Timing-Strategie innerhalb einer Anlageklasse langfristig erfolgreich sein zu können. Dies wird besonders deutlich, wenn man sich die Performance sämtlicher Pfade bis ins Jahr 2000 genauer ansieht. Weniger als 20 Prozent aller Pfade haben bis zu dem Zeitpunkt eine höhere Performance als der Gesamtmarkt generiert. Des Weiteren haben insgesamt nur 42 Prozent aller Pfade besser abgeschnitten als der S&P 500!

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Der wesentliche Grund für die Underperformance ist neben Glück auch die Tatsache, dass eine binäre Timing-Strategie (Markt oder Geldmarkt), tendenziell in fallenden Märkten besser performt als in steigenden. Dies ist auch dadurch erklärbar, dass in fallenden Märkten die Renditen deutlich höher schwanken als in steigenden (dies wurde bereits im Kapitel Statistische Eigenschaften von Finanzzeitreihen im Vergleich zur Normalverteilung erörtert). Dieses Phänomen ist sehr schön in den unteren Charts erkennbar.

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Da wir im ersten Beispiel nur innerhalb einer Anlageklasse investiert haben, verwenden wir im zweiten Beispiel Gold anstatt Geldmarkt. Das heißt, es wird bei einem Verkaufssignal nicht die ganze Position in Geldmarkt investiert sondern in Gold. Wie sehr schön zu erkennen ist, sehen jetzt die Auszahlungspfade bedeutend attraktiver aus als im ersten Beispiel.

Dies liegt vor allem dran, dass die Korrelation von Gold zu Aktien sehr gering ist und somit ein Verkaufssignal am Aktienmarkt nicht zwangsläufig zu negativen Renditen am Goldmarkt führt. Des Weiteren ist dies ein sehr schönes, wenn auch extreme theoretisches Beispiel dafür, dass die Allokation zwischen Anlageklassen bzw. die Portfoliokonstruktion im weiteren Sinne wesentlich wichtiger ist als die richtige Timing-Entscheidung.

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